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Der Privatmann

Friedrich Harkort, der große westfälische Industriepionier, dessen Bedeutung weit über den westfälischen Raum hinausgeht, wurde am 22.02.1793 als Sohn des Kaufmanns und Gutsbesitzers Johann Kaspar Harkort und seiner Ehefrau Henriette auf Haus Harkorten in dem heutigen Stadtteil Hagen-Haspe geboren. Da Friedrich Harkort in einer wohlhabenden bürgerlichen Familie aufwuchs, litt er auch keine materielle Not und seine Kindheit gestaltete sich daher weitgehend unbeschwert.

Seine höhere Schulbildung erhielt er in der Handelsschule in Hagen, wo er Unterricht nicht nur in fast allen damals üblichen Gymnasialfächern, unter anderem auch in Latein, Französisch und Englisch, sondern auch in Italienisch sowie im Tanzen und Fechten erhielt.

Mit fünfzehn Jahren begann Friedrich Harkort in Wichlinghausen bei Barmen bei dem Fabrikanten Mohl, der Teppiche herstellte und einen Handel mit Webwaren betrieb, eine kaufmännische Lehre. Allerdings zeigte sich bald, daß Harkorts Interessen weniger im kaufmännischen als vielmehr im technisch-konstruktiven Bereich lagen.

Noch vor Beendigung der sechsjährigen Lehrzeit verlobte er sich – trotz anfänglicher Bedenken seiner zukünftigen Schwiegereltern – mit Auguste Mohl, der einzigen Tochter seines Lehrherrn. Kurze Zeit später zog Friedrich Harkort gemeinsam mit seinem Bruder Gustav als Freiwilliger in den Krieg gegen Napoleon. Für seinen Einsatz in diesem Krieg, bei dem Friedrich Harkort verwundet wurde, erhielt er das Eiserne Kreuz verliehen. Auf diese Auszeichnung war er übrigens zeitlebens beträchtlich stolz.

Am 21.09.1818 konnte Friedrich Harkort schließlich seine Verlobte Auguste Mohl heiraten. Insgesamt sechs Kinder gingen aus dieser Ehe hervor. Allerdings starb Auguste Harkort bereits am 31.12.1836 nach einem Leben voller wirtschaftlicher Unsicherheit, häufigen Alleinseins und Sorge um ihren stets mit neuen Plänen und oft mit vielen Projekten gleichzeitig beschäftigten Mann.

Der vielseitig begabte und interessierte Friedrich Harkort hat sich theoretisch und praktisch auf den unterschiedlichsten Gebieten betätigt, wobei er vor allem auf dem technischen Sektor häufig sogar bahnbrechend wirkte. Doch neben allen seinen Tätig-keiten als Industrieller, technischer Neuerer und Politiker fand Friedrich Harkort noch Muße, Gedichte und Theaterstücke zu verfassen und außerdem eine umfangreiche private Korrespondenz mit einer Vielzahl von Personen zu unterhalten. In dieser geistigen und praktischen Vielseitigkeit ist Friedrich Harkort ein typischer Vertreter des Bildungsbürgertums jener Epoche, in der auf vielen technischen und geistigen Gebieten Aufbruchstimmung herrschte und während der sich in Industrie und Gesellschaft gewaltige Umwälzungen vollzogen. Sein Leben und Wirken ist somit auch ein Ausdruck wie auch eine Folge der von Gärung gekennzeichneten geistigen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse bzw. Entwicklungen seiner Zeit.

Im Laufe seines Lebens hat Friedrich Harkort manche heftige öffentliche Kritik und Anfeindung erfahren. Andererseits wurden ihm aber auch zahlreiche große Ehrungen und Anerkennungen zuteil. Als er am 08.03.1880 in Dortmund-Hombruch starb, war er bereits zu einer Legende geworden.