Direkt zum Inhalt...

Der Sozial- und Schulpolitiker

Zu den Gebieten, denen Friedrich Harkort zeitlebens ein besonderes Interesse gewidmet hat, gehört auch der Bereich des Sozialen. Eine Verbesserung der Lage der unteren Klassen bzw. der Industriearbeiterschaft war nach seiner Überzeugung vor allem durch die Hebung der allgemeinen Volksbildung zu erreichen. Tatsächlich waren der äußere Zustand ebenso wie die materielle Lage der Lehrer und nicht zuletzt das Leistungsniveau der meisten Volksschulen in Preußen – aber nicht nur dort – damals ausgesprochen miserabel.

1842 unterstützte Friedrich Harkort daher auch aktiv eine Gruppe von 31 Volksschullehrern aus den Gebieten der Grafschaft Mark und des Wittgensteiner Lands bei der Abfassung einer Bittschrift an den preußischen Kultusminister. In dieser Bittschrift wurden die Mängel des Volksschulwesens aufgeführt und die Verbesserungswünsche bzw. Verbesserungsvorschläge seitens der Lehrer vorgetragen. Mit der Übergabe dieses Schriftstücks beauftragten die Autoren Friedrich Harkort. Als der preußische Kultusminister die Eingabe jedoch kategorisch ablehnte, verfaßte Friedrich Harkort als Reaktion darauf seine “Bemerkungen über die Preußische Volksschule und ihre Lehrer” (1842). In diesem Werk wies er anhand von ausführlichen statistischen Daten nach, wie schlecht es mit dem Volksschulwesen, vor allem auch in materieller Hinsicht, in Preußen im Vergleich zu anderen Ländern bestellt und wie dringend notwendig eine Reform war. Um diese Reform zu erreichen, gründete Friedrich Harkort am 19.02.1843 in Dortmund den “Verein für die Deutsche Volksschule und für die Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse”. Zugunsten der Zwecke dieses Vereins gab übrigens auch Franz Liszt ohne Gage Gastspiele.

Seine vom liberalen Geist geprägten und für die damalige Zeit sehr fortschrittlichen allgemeinen sozialpolitischen Ideen hat Friedrich Harkort in der 1844 erschienenen Schrift “Bemerkungen über die Hindernisse der Zivilisation und Emanzipation der unteren Klassen” niedergelegt. Darin setzte er sich unter anderem für ein Verbot der Beschäftigung von schulpflichtigen Kindern in Fabriken, für eine gesetzliche Festlegung der maximalen täglichen Arbeitszeit, die Beschaffung preiswertiger und guter Nahrungsmittel und gesunder Wohnmöglichkeiten sowie für die Schaffung von Kranken- und Unterstützungskassen für die Arbeiter ein. Zum Teil sind diese sozialen Forderungen von Friedrich Harkort bereits damals oder auch später in seinen Betrieben verwirklicht worden. Auch an der Gründung des “Zentralvereins für das Wohl der arbeitenden Klassen” in Berlin 1844 war Friedrich Harkort offensichtlich beteiligt. Auf jeden Fall hat er in den folgenden Jahren die Tätigkeit dieses Vereins eifrig unterstützt. Andererseits lehnte er jedoch Revolution und Gewaltanwendung als Mittel zur Herbeiführung sozialer und politischer Reformen entschieden ab, wie zum Beispiel auch seine unter dem Eindruck der Ereignisse im Revolutionsjahr 1848 verfaßten sogenannten “Arbeiterbriefe” bezeugen. Friedrich Harkort hat stets den Standpunkt eines politisch liberalen, aber nicht radikalen (Besitz-)Bürgers vertreten.